24 Stunden sollte Wichtiges auch wichtig sein

Am Sonntag sind in München zehntausende Menschen auf die Straße gegangen, um gegen Hetze zu protestieren. #ausgehetzt Die Bild und der Focus erwähnten das zu diesem Zeitpunkt und auch heute mit keinem Wort in den Aufmachern, während der Begriff auf Twitter trendete, und sowohl SPIEGEL ONLINE als auch die Süddeutsche Zeitung darüber an erster Stelle berichteten.

Später am Tag gab #Özil bekannt, dass er nicht mehr in der Nationalmannschaft spielen will, weil ihm die Unterstützung gegen Rassismus im DFB fehle. Die Bild titelt heute “Jammer-Rücktritt” und “wirre Abrechnung”, während der Focus von “großer Inszenierung” redet. Von der Ausgehetzt-Demo: kein Wort. Besser kann man rechte und rassistische Gesinnung gar nicht fördern.

Aber auch der Spiegel hat die Demo nicht mehr auf der Startseite, bei der Süddeutschen verbirgt sie sich hinter “Die CSU hat Angst”. Zehntausende Menschen und ihr wichtiges Statement interessieren die Medien nicht mehr.

Dabei lesen viele erst heute, was passiert ist, weil sie gestern im Schwimmbad, am Grill, im Garten waren, einfach mal frei hatten. Wie das am Sonntag so ist. Auch sie sollten lesen können, dass dieser Sonntag mit der Münchner Demo für mehr Anstand etwas so Gutes mit sich brachte.

Selbst wenn die Daueronliner das Gefühl haben, sie müssten alle 3 Stunden etwas Neues bringen und der Münchner Auftritt fürs Gute sei schon wieder alt und egal: Er sollte es in der Berichterstattung noch nicht sein. Er verdient mindestens 24 Stunden und sogar einen Nachklapp. Er gehört auf die erste Seite, mit einer deutlichen Schlagzeile.

 

(Fotos: Michael Treske (1 u 2))

23. Juli 2018 von Britta Freith
Kategorien: Journalismus, Medien, Meinung, Politik | 3 Kommentare

Kommentare (3)

  1. Ja!!! Absolut ernüchternd, wie ein so großer Protest (und das bei Dauerregen!) medial einfach unter den Teppich gekehrt wird, weil er nicht ins Bild/die Leitlinie/die politische Gesinnung passt. Dafür ziehe ich noch mal persönlich den Hut vor allen, die gestern auf die Straße gegangen sind. Danke.

  2. Danke für diesen Beitrag, Britta! Auch ich halte die Großdemo (bei der Demonstrationsfaulheit in diesem Land ist das ja schon eine) #ausgehetzt für das wichtigste Ereignis des Wochenendes.

    Meine Hauptzeitung, die Taz, hat #ausgehetzt noch auf ihrer Startseite, allerdings ist auch hier die Meldung darüber unterhalb von Özil und Trumps Drohungen gegen den Iran gerutscht. Sie taucht dafür aber an mehreren Stellen auf: Im Kommentarbereich, in den Bildergalerien, und eben als eine der Hauptmeldungen.

    Und ja, mir ist durchaus klar, dass die Taz nicht zu den massenhaft gelesenen Online- oder Printmedien gehört. Leider.

    Auch die Zeit hat #ausgehetzt noch auf der Startseite, allerdings muss man hier mehr scrollen und suchen, bis man es findet. Auch hier ist “König Fußball” sehr dominierend.

    • Lieber Marco, wenn die taz es nicht hätte, dann wüsste ich auch nicht. Aber du sagst es für mich ganz richtig: Es war das wichtigste Ereignis in Deutschland an diesem Wochenende.
      Gerade habe ich bei der FAZ mal geguckt: Zumindest auf der Startseite kein Wort, auch nicht als Link. Erschreckend.
      Inzwischen hat mich auf Facebook jemand darauf hingewiesen, dass der Focus es gestern um 17:35 (von da ist die Meldung) doch auf der ersten Seite gehabt haben soll. Nun aber: ferner liefen, muss man suchen.

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