Du oder Sie oder so?

Es ist schon so eine Sache mit den Anreden: Während Heide Liebmann sich entschieden hat, ihre Blogleser ab sofort konsequent zu duzen, fragt sich der Querdenker ob am Ende webweit die Etikette zum Teufel geht. Die Zahl der Kommentare bei beiden zeigt, dass dieses Thema viele beschäftigt. Mich auch!

Nun bin ich aber jahrelang zeitschriften- und rundfunkgestählt und gewohnt, von der direkten Anrede ins “man” und auch gar nichts zu wechseln – also den ganzen Anredemurks schlicht zu umgehen. In Foren und auch in der direkten Anrede im Blogkommentar bevorzuge ich klar das Du. Aber wenn mir zum Beispiel jemand, den ich nicht kenne, eine geschäftliche Nachricht schickt, finde ich das Sie oft angemessener. Aber eben auch nicht immer. Gerade bei kleinen Werbeagenturen passt das Du besser. Bei “fremden” Kunden, für die ich eine Website texte, mag ich lieber siezen. Aber wenn ich länger mit jemandem im Team arbeite, auch wenn es ein Auftraggeber ist, fällt mir duzen leichter.

Je älter ich werde, desto souveräner kann ich anderen sagen: Hej, lass mal duzen. Aber bei manchen bin ich verflixt froh, dass die nie auf die Idee gekommen sind – das wäre schon fast wie der Griff aufs Knie. Sehr schräg finde ich es, wenn ich als Externe in eine Redaktion komme, alle sich duzen, nur ich werde gesiezt – und zwar konsequent! Neulich allerdings rief die Personalchefin einer großen Agentur an, die nicht mich sprechen wollte, sondern einen Kollegen, mich aber duzte, obwohl wir uns gar nicht kannten: Das kam mir sehr seltsam vor!

Da ich nicht weiß, wer hier mitliest, werde ich wohl nicht Du sagen. Auch in der Kleinen Podcast-Sprechschule habe ich es bisher vermieden. Es kann auch zu anbiedernd sein. Richtig grässlich fand ich es ursprünglich bei Radiosendern, die sich sehr jugendlich geben. Aber inzwischen habe ich mich daran gewöhnt.

Eine übersteigerte Abart der Geschichte sind übrigens Mitmenschen, die den Thomas, den Oskar oder Olli erwähnen – und mit dieser vertraulichen Anrede von Trägern der Nachnamen Gottschalk, Lafontaine oder Dittrich reden. “Hast du gehört, was der Harald wieder gesagt hat?” Natürlich haben sie den Harald nie persönlich gesehen und auch mit dem Udo oder Helge (welchem bloß?) kein Bier gekippt. Diese Vornamenschleimerei ist die schlimmste!

14. August 2007 von Britta Freith
Kategorien: Arbeitsalltag, Podcast, Radio, Über dieses Blog | Schlagwörter: | Schreibe einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.